50 Shades of Hay

Wenn mich eine Sache im Rahmen der Pferdehaltung beschäftigt, ist das (neben dem Konzept Paddock Trail) definitiv die Heufütterung:  Heu ist und bleibt der wichtigste Nahrungsbestandteil domestizierter Pferde und bildet damit auch die Grundlage einer gesunden Pferdeernährung. Täglich dieselbe Mahlzeit auf dem Speiseplan stört die Vierbeiner nicht im Geringsten. In Sachen Fütterung, also der Art das Heu anzubieten, freuen sie sich dennoch über Abwechslung. Ich möchte im heutigen Blog ein paar Möglichkeiten vorstellen, die wir zum Teil selbst am Birkenhof Wölling praktizieren, aber auch einige zusätzliche Anregungen liefern, die ich im World Wide Web entdeckt habe…

Doch zunächst ein paar Basisfakten:

Heu ist als faserreiches Raufutter ideal für die Verdauung von Pferden und gehört täglich in ausreichender Menge auf den Speiseplan. Mindestens(!) 1,5kg Heu pro 100kg Körpergewicht sollten einem erwachsenen Pferd täglich in mehreren Rationen zur Verfügung stehen – besser noch rund um die Uhr. Fresspausen sollten 4 Stunden nicht überschreiten. Der Grund liegt in der Anatomie des Magens:

Magengeschwüre: Wenn die Spucke weg bleibt

Vereinfacht dargestellt besteht der Pferdemagen aus zwei Abschnitten, einem drüsenlosen und einem drüsenhaltigen Teil. Der drüsenhaltige Teil ist von einer Schutzschicht überzogen, die vor den Verdauungssekreten schützt. Der andere Teil enthält keine Drüsen und keine Schutzschicht.

Nun ist der Magen beim Pferd ist auf eine kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt und produziert deswegen ständig Säure. Der Speichel wirkt dem aufgrund seiner basischen Zusammensetzung entgegen. Wird keine Nahrung (insbesondere faserreiches Raufutter) aufgenommen, wird auch wenig Speichel produziert. Der Magensäurespiegel steigt an und der ungeschützte, drüsenlose Abschnitt wird angegriffen. Die Folge können Koliken und Magengeschwüre sein. Ziel ist es deshalb, rund um die Uhr Anreize zum Kauen zu liefern. Wer mehr zum Thema lesen möchte, wird bei den Pferdefreunden im Blog fündig: Hier geht es um Fresspausen und was sie für die Tiere bedeuten.

All you can eat: Die Lösung für alle?

In der Natur fressen Pferde viele Stunden über den Tag verteilt während sie sich langsam fortbewegen. Aus diesem Grund überlassen wir bei uns am Hof den Pferden selbst, wann und wieviel Raufutter sie zu sich nehmen möchten und bieten daher 24h Heu in allen Haltungsformen – verteilt auf mehrere Stationen. Das hält die Pferde in Bewegung, bietet Abwechslung und sorgt für eine stressfreie, magenschonende Nahrungsaufnahme.

Natürlich gibt es Pferde, die sehr leichtfuttrig, rehegefährdet oder anderweitig gesundheitlich beeinträchtigt sind. In diesen Fällen ist Heu ad libithum ohne Einschränkungen sicher keine Ideallösung (Karolina  von den Pferdefreunden hat sich  in einem eigenen Beitrag ausführlich den Pros und Contras einer 24h Heufütterung gewidmet). Aber auch oder gerade für solche Fälle gibt es Möglichkeiten, die Heufütterung alternativ zu gestalten: Engmaschige Heunetze, zeitgesteuerte Raufen oder Tore, die dann zu gewissen Zeiten unterschiedliche der hier gezeigten Stationen freigeben, bieten auch echten Sorgenkindern unter den Pferden eine willkommene Abwechslung.

Bevor ich nun endlich zur Vorstellung vieler gelungener Fütterungsmöglichkeiten komme, noch ein kurzer Exkurs zum Thema Fresshaltung:

Die natürliche Köisis-koppelrperhaltung eines Pferdes bei der Futteraufnahme ist mit gesenktem Kopf, entspannter Halshaltung und meist der Positionierung der Vorderbeine im Ausfallschritt – nur so erfolgt das Fressen anatomisch korrekt. Beim Grasen auf der Koppel ist diese Fresshaltung gegeben, viele Raufen, Heukisten und -netze ermöglichen diese Position aber nicht oder nur teilweise!

Man sollte bei der Auswahl seiner Heustationen deshalb im Hinterkopf behalten, dass die Mischung zumindest ausgewogen sein sollte und freischwingende, hoch aufgehängte Netze sich zwar als Beschäftigungsanreiz, aber nicht als ausschließliche Nahrungsquelle eignen. Ebenso verhält es sich mit zu engen Netzen, die bei den Tieren Stress verursachen können und somit wieder Magengeschwüre begünstigen.

Wir für unseren Teil bieten Heu sowohl lose vom Boden, aus bodennahen Raufen und Kisten, weit- und engmaschigen Netzen, freischwingend oder fixiert, aus Gitterraufen… eben auf unterschiedlichste Arten an, um den Tieren neben ihrer natürlichen Fresshaltung zumindest wechselnde Positionen zu ermöglichen und so Verspannungen vorzubeugen.

Bilder sagen mehr als Worte. Deshalb möchte ich in der nachfolgenden Ideensammlung die Fotos (weitestgehend) für sich sprechen lassen:

Raufen, Glocken, Durchfressgitter

Zuerst möchte ich Euch verschiedene Raufen-Lösungen zeigen. Ob Fertigmodelle, Eigenbau oder Kombinationen daraus: Die Möglichkeiten sind vielfältig:

Zupf-Varianten

Von klassischen Durchfressgittern abgesehen, werden zunehmend Versionen angeboten und konstruiert, die das Zupfen durch Stäbe hindurch erforderlich machen. Hier kommt es sehr auf das Fressverhalten der Pferde und den Durchmesser der Stäbe an – es können Zahnprobleme drohen, wenn die Gestänge zu fein (z.B. Stahlmattenzäune) und die Abstände zu gering sind! Mit Metallrohren im Abstand von 5 cm haben wir bei uns sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Pferde zupfen ausschließlich mit den Lippen, Zahnprobleme treten bisher nicht auf.

Fressringe und Heukisten

Neben Raufen gibt es auch Fressringe und Heukisten in diversen Variationen. Hier sind der Fantasie beim Tüfteln kaum Grenzen gesetzt und der Markt gibt einige „Fertiglösungen“ her:

Netze und Co.

Viele Pferdebesitzer verwenden außerdem Heunetze, -taschen, -tonnen oder -säcke, die sowohl an der Wand, zwischen Bäumen oder frei schwingend eingesetzt werden können:

„Mobile Heufütterung“

Zu guter Letzt noch ein paar „mobile“ Beispiele, um Heu mal auf andere Art anzubieten –  zur Ergänzung und Beschäftigung:

Hinweis: Die Ball-Variante und das Heukissen sollten meines Erachtens nur unter Aufsicht angeboten werden – mein Vertrauen in das Material wäre nicht groß genug, um ein Pferd damit allein zu lassen. Allerdings habe ich beide noch nicht ausprobiert und wäre neugierig auf einen Versuch…

Wer sich für einige der hier gezeigten Futterstationen interessiert, findet hier der Vollständigkeit halber noch eine Linksammlung zu den verschiedenen genannten Anbietern:

Heunetze von Löwers

Patura Großballenraufe mit Sicherheitsfressgittern

Zeitgesteuerte Powerraufe

Patura Futterring mit 4 Segmenten (teilbar)

Kleine Patura Wandraufe

Hay Bar

Heukiste Heufresser

Hay Play Futterball

GROWI Futterball

GROWI Paddockraufe

GROWI Wandraufe groß

Mammut Freisteher

GROWI Paddocktrog Kunststoff

Heu to Go Heukarussel

Heu Toy

Heu Enjoy

Der Heusack

Harrys Horse Heutasche

Mammut Heukissen

Noch nicht genug 🙂 ?

Bei Klaudia von Two Toned – Dein Pferd in Balance gibt es einen eigenen Beitrag zum Thema Slow Feeder.

Auch Dietmar von Pferdekult – Die ganze Welt der Pferde hat sich mit Futterstationen im Pferdestall befasst.

Alessa Neuner hatte kürzlich die Heutonnen von Eazigrazer im Test.

Und bei Line von Kultreiter geht es um Tipps zur Pferdefütterung allgemein – ein umfassendes Thema mit vielen Aspekten.

 

Jetzt seid Ihr dran:
Welche Arten der Heufütterung bietet Ihr Euren Pferden an? Habt Ihr ergänzende Ideen zu den hier gezeigten Beispielen?

 

 

Der Weg ist das Ziel: Pferdehaltung auf dem Paddock Trail

Pferde leben in Boxen. Das war lange Zeit Standard. Und auch wenn sich mittlerweile der Offenstall zumindest in Teilen der Pferdewelt etabliert hat, ist damit das Optimum in Sachen Haltung längst nicht erreicht. Einen Großteil des Tages stehen die Vierbeiner im Stall oder auf dem Auslauf. In der freien Natur hingegen bewegen sie sich über viele Stunden hinweg und wandern durch abwechslungsreiches Gelände von Futterplatz zu Futterplatz oder auch zur Wasserstelle. Das Konzept des Paddock Trail versucht den natürlichen Lebensraum im Kleinformat abzubilden – und bringt so Pferde in Bewegung.

Ein Offenstall mit befestigtem Paddock an sich bietet Pferden nichts Aufregendes: Heuraufe, Wasserstelle und Gesellschaft von Artgenossen.  Zusätzliche Koppelflächen erweitern das Platzangebot und locken mit köstlichem Gras. Meist sind diese jedoch nicht ganzjährig nutzbar und halten je nach Jahreszeit und Witterung Gefahren wie Hufrehe und Co. bereit. Ein Paddocktrail hingegen verbindet die Vorteile artgerechter Gruppenhaltung mit jeder Menge Raum für Bewegung auf grasarmen Böden und sorgt zusätzlich mit Gestaltungselementen für Motivation und Abwechslung.

Lernen durch Beobachten

Die Grundidee basiert auf den Beobachtungen des ehemaligen Hufschmiedes Jamie Jackson: Nach über 20 Jahren Forschung in den Wildpferdereservaten Nordamerikas kam er zu Erkenntnissen über die Bedingungen einer möglichst artgerechten Pferdehaltung, die er 2006 im Buch „Paddock Paradise“ veröffentlichte. Ein grundlegendes Argument aus Sicht des Hufspezialisten waren allen voran natürlich die gesunden, robusten Hufe der Wildpferde. Kein Wunder: Die Tiere legen etwa 15 bis 30 Kilometer am Tag zurück und das auf immer gleichen Wegen in ihrem Territorium – den sogenannten Trails.

Sie folgen ihren täglichen Gewohnheiten, passieren unterschiedlichste Böden und fressen 16 bis 18 Stunden kontinuierlich kleine Mengen Futter. Lediglich fünf Prozent der Zeit verbringen sie mit Spielen, Rangkämpfen, Fortpflanzung und ähnlichem. Wie wichtig das Wandern offenbar für die Gesunderhaltung der Vierbeiner ist, liegt auf der Hand.

Weite Wege, kleine Flächen

Da die meisten unserer Flächen im Rahmen der Pferdehaltung nicht mit den Dimensionen der nordamerikanischen Wildnis mithalten können, projiziert das Konzept des Paddock Trail die natürlichen Rahmenbedingungen auf künstlich angelegte Wegenetze. Um möglichst lange Strecken für die Fortbewegung zu ermöglichen, führen diese meist im Kreis, ergänzt durch Alternativwege oder mögliche Abkürzungen. Um die „Wanderschaft“ in Gang zu setzen, gibt es verschiedene Futterstationen auf den Trails: Angefangen mit Raufen, einzeln platzierten Netzen bis hin zu kleinen auf dem Weg verteilten Heu-Haufen – die Herdendynamik sorgt für den Rest. Zusätzlich bieten Salzstationen, Knabberäste und nicht zuletzt eine strategisch klug platzierte Wasserstelle Bewegungsanreize. Für Abwechslung und gesunde Hufe sorgen wechselnde Untergründe, Wasserfurten, Wurzelwege und Kletterhügel.

Die Trails auf dem Birkenhof Wölling

Bei uns am Hof haben für zwei Offenstallgruppen Trail-Konzepte umgesetzt. Für unsere Zuchtpferde mit Fohlen haben wir eine Lösung mit Naturboden, Flusssteinen, Hügel, Wurzelweg und Bachdurchgang. Der Trail hat etwa 450 Meter Länge und ist für 6 bis 8 Pferde angelegt. Darüber hinaus bietet der Freizeitstall eine zusätzliche Anlage für 12 Einsteller mit teilweise befestigtem Boden. Mit dem neuen Sommertrail, den wir 2016 fertigstellen, steht den Pferden ein Wegenetz mit über einem Kilometer Länge zur Verfügung.

Welche Details das Wegenetz der Pferde künftig ergänzen werden, wird sich zeigen. Denn so wie der Weg beim Paddock Trail das Ziel ist, werden wir wohl  auch mit der Gestaltung nie ganz fertig… 🙂

Im Fohlenfieber

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag bereits verraten habe, dass wir dieses Frühjahr Fohlen erwarten, möchte ich diesen Blog nun den plüschigen „Bald-Ankömmlingen“ bei uns im Stall widmen. Ehrlich gesagt, ist das erste Exemplar der Hauptgrund dafür, dass ich solange nicht an den Schreibtisch gekommen bin, denn dieses kleine Wesen raubt mir mittels Schlafmangel (wegen der nächtlichen Kontrollen) und einiger Vorbereitungen im Stall noch den letzten Nerv… Vielleicht bin ich ein wenig überbesorgt, aber das kann man mir beim ersten Nachwuchs hoffentlich verzeihen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Vor knapp einer Woche wäre eigentlich der errechnete Geburtstermin gewesen und ich sitze bereits wie auf Kohlen. Dabei ist das nichts ungewöhnliches, sagt unser Tierarzt: Gerade junge Stuten und Erstgebärende neigen dazu, bis zu einem Monat(!) zu übertragen. Uff – wenn Johari das noch so lange durchzieht, muss ich danach zur Mutter-Kind-Kur… DANACH ist ein gutes Stichwort. Aber wie genau sehen die GeburtsVORbereitungen in Sachen Haltung eigentlich aus? Zunächst einige Basis-Fakten:

Termine und Untersuchungen

Natürlich beginnt alles mit dem Notieren der Decksprünge, um überhaupt einen Termin errechnen zu können: Knapp 11 Monate (manchmal auch bis zu 12) dauert es von der Bedeckung bis zur Geburt. Nach 18 Tagen ist ein erster Ultraschall zur Bestimmung der Trächtigkeit möglich. Nach 25-30 Tagen ist eine Nachkontrolle zu empfehlen, um eine frühe Resorption des Fohlens auszuschließen. Man sollte unbedingt bedenken, dass es sich hierbei nicht um eine Ultraschall-Untersuchung von außen handelt, sondern eine Rektaluntersuchung, die für die Stute nicht besonders angenehm ist. Um unnötige Sedierungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen medizinischen Untersuchungsstand für Pferde zu nutzen. Wir haben mit einfachen Mitteln einen solchen gebaut und nun dank der simplen Konstruktion stressfreie Kontrolltermine für Tier und Mensch: links ein Panel, rechts eine stabile Wand, vorn ein Balken in Brusthöhe und an der Rückseite eine alte Stalltür vom Dachboden, die wir mit zwei Riegeln stabilisieren und mit einer Rohrisolation an der Oberseite abpolstern können. Vorn hängen wir (vor dem Brustbalken, seitlich in das Panel) bei den Untersuchungen immer einen Futtereimer ein. Dann ist die Stute beschäftigt und alles gleich halb so wild.

Gesundheitsvorsorge

Während der Trächtigkeit ist – wie natürlich auch bei allen anderen Pferden – auf regelmäßige Impfung (Tetanus(!), Influenza und ggf. Herpes) und Entwurmung zu achten. Die letzte Wurmkur sollte knapp einen Monat bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eingegeben werden (hier scheiden sich die Geister ein wenig). Ziel ist es, dass das Neugeborene mit keinen/möglichst wenig Parasiten in Berührung kommt.
Eine gute Übersicht zu wichtigen Terminen rund um die Trächtigkeit bietet übrigens die neben dem Deckstand abgebildete Drehscheibe zum Ausschneiden (Danke an Silke Göllner fürs Zusenden!)

Die Abfohlbox

Auch wenn sich die tragende Stute bis zur Geburt bewegen darf und soll, muss ihr auch genügend Ruhe ermöglicht werden. Die Gewichtszunahme scheint unserer Johari vor allem in den letzten Wochen ziemlich zu schaffen zu machen. Wir entscheiden uns, sie schon frühzeitig nachts in die Abfohlbox zu bringen und tagsüber weiterhin in ihrer gewohnten Offenstallherde laufen zu lassen. Entscheidender Vorteil: Sie gewöhnt sich an die Umgebung und bildet die passenden Antikörper für den Ort der Geburt UND den Aufenthaltsbereich, in dem sie und ihr Fohlen sich danach gemeinsam mit der Herde aufhalten werden. Der Nachwuchs bekommt diese Antikörper dann über die Kolostralmilch übertragen und erhält so quasi seine erste „Impfung“.

Beim Thema Abfohlbox haben wir uns jede Menge Gedanken gemacht: Groß und hell sollte sie sein, der Boden gut abgepolstert. Die beste Wahl in unserem Fall war eine spezielle 15 Quadratmeter Außenbox mit Schiebetür an der Südseite. Durch die Nähe zum Offenstall haben Johari und ihre Herde von dort aus (im Gegensatz zu unserer Paddockboxengasse) immer Sichtkontakt und sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Einige Wochen vor Bezug haben wir die Box mit 4,5cm starkem Gummipflaster ausgelegt und zu 2/3 dick mit Stroh eingestreut. Neben einer Selbsttränke wurde –wie in all unseren Boxen – eine Großraum-Raufe eingebaut, um Heu ad lib sicherzustellen. Die Gitterabstände von knapp 5 cm haben uns aber dazu bewogen, den unteren Teil der Raufe zur Sicherheit zu verkleiden, damit das Fohlen nicht hängenbleiben kann. Auch das Panel an der Frontseite der Box haben wir im unteren Bereich abgedichtet. Letzter Feinschliff: Den Lecksteinhalter so hoch anbringen, dass das Fohlen nicht ran kommt. Es kommt vor, dass die Kleinen so intensiv Salz aufnehmen, dass sie Durchfall bekommen. Gut, wenn sich das vermeiden lässt.

Damit wir jederzeit alles im Blick haben, wurde eine Kamera mit Wlan-Signal installiert: Beim nächtlichen Check reicht somit ein Blick aufs Handy und wir sehen über einen Netzwerk-Stream, was Johari gerade macht. Meistens schlafen…

Nach der Geburt: Zwischenstation und Rotation

So weit so gut. Die Abfohlbox ist bezogen, die Bald-Mama entspannt. Nun heißt es einen Schritt weiter denken: Nach der Geburt sollen Stute und Fohlen natürlich möglichst bald Freilauf erhalten und in ihre Herde integriert werden. Um den beiden aber nach den gemeinsamen Koppelgängen Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, beziehen sie eine direkt an den Offenstall angrenzende Doppelbox mit etwa 50 qm Paddock. Die Abfohlbox wird zu diesem Zeitpunkt dann von der nächsten Stute bezogen (unsere Fohlen kommen mit 1-2 Monaten Abstand) und dann rollieren wir das System erneut durch.

Die Zaunanlage: unterschätzte Gefahr?

Was es außerdem zu bedenken gibt: Sind Paddock und Koppeln „fohlensicher“? Unsere Umzäunung ist das mit drei Seilen und Abständen von 50 bis 60 cm eher nicht: Die Fohlen könnten zumindest in der ersten Zeit darunter oder dazwischen durch schlüpfen. Die Seile weisen außerdem keine sonderlich gute Sichtbarkeit auf – die Fohlen nehmen sie vermutlich zu spät wahr. Und: Die Seile schneiden leider relativ schnell ein, sollte ein Pferd sich darin verfangen. Ein Risiko, dass wir minimieren möchten.

Nachdem wir unsere Zäune im vergangenen Jahr komplett mit diesem System erneuert haben, können wir nun nicht wieder alles abreißen und in eine andere Zaunanlage investieren. Wäre das möglich, wäre Hippowire von Patura meine erste Wahl für den Fohlenbereich: Wir haben diesen Pferdesicherheitszaun um den Paddock unseres zweiten Offenstalls. Das Material ist eine Verbindung von stromleitendem Kunststoff mit einem Stahlkern – absolut stabil, gut sichtbar und ohne Verletzungsrisiko durch Schnitte. Die Lebensdauer soll laut Hersteller 10 Jahre betragen. Einziger Nachteil: Eine nicht ganz einfache Installation (ich würde Hilfe über Patura empfehlen) und ein der Qualität entsprechender Preis.

Zaun mit BändernIch entscheide mich beim Fohlenzaun also für einen Kompromiss: Ich entferne das untere Seil unseres bestehenden Zaunes und ziehe stattdessen zwei Reihen Breitband in 20 mm Stärke ein. Das schmale weiße Band mit Streifen in Signal-Orange ist nicht so anfällig gegen Wind und Frost wie oftmals die Ausführung in 40 mm Stärke, bietet aber eine gute Sichtbarkeit und kein Schnittrisiko. Mit dieser Lösung versehen wir zunächst den Paddock unseres Zucht-Offenstalls sowie eine der großen Koppeln. Den gerade entstehenden Trail und weitere Koppelflächen können wir bei Bedarf nachrüsten.

Wir sind also weitestgehend vorbereitet – und gespannt, ob die Fohlen das genau so sehen. Vielleicht kommt Nummer eins ja schon heute Nacht…

Wie es danach weitergeht? Ich werde es hier berichten. Die artgerechte Fohlenaufzucht hält sicher wieder einige Herausforderungen bereit. Bei Bloggerkollegin Nina von Roping my dream gibt es dazu schon einen schönen Beitrag. Wer (noch) kein eigenes Fohlen hat und mit dem Gedanken spielt eines zu kaufen, findet bei Line von Kultreiter eine super Checkliste.

 

Mythos Zugluft

Ich habe lange überlegt, mit welchem Thema ich meinen ersten Blog beginnen soll. Ich starte am besten tatsächlich mit dem Anfang: Als wir unseren Hof übernommen haben, wurde zuerst ein bestehender Stalltrakt zu fünf Paddockboxen umgebaut. Neben unseren eigenen Pferden wollten wir dort bereits die ersten Einsteller aufnehmen und bald schon kamen Interessenten zur Besichtigung. Ich weiß noch, wie stolz ich war auf die offene Gestaltung mit viel Luft und Licht, die Südausrichtung und die Möglichkeit für die Pferde auch nach den ausgiebigen Koppelgängen jederzeit selbst zu entscheiden, wann sie sich draußen aufhalten möchten.

An einen Offenstall war für uns zu derzeit noch nicht zu denken – unser Nasir war noch Hengst, es war Winter und vor dem Frühjahr konnten wir ihn nicht mit seinen Stuten gemeinsam halten. Denn dann hätte er sie zu früh gedeckt und die Fohlen würden in der kalten Jahreshälfte geboren werden. Daher waren die angrenzenden Boxen mit Sichtkontakt und „Sicherheitsabstand“ zu der Zeit optimal – über unsere Hengsthaltung werde ich in einem späteren Beitrag noch berichten.

Aber zunächst zurück zu unseren Paddockboxen: Da standen sie also – ohne Türen, Streifenvorhänge oder ähnliches. Genau so wie ich es mir gewünscht hatte. Bei den ersten Interessenten hielt sich  die Begeisterung jedoch in Grenzen. Die Boxengröße, das dicke „Strohnest“, die beheizten Tränken und die Paddocks an sich kamen gut an. Allerdings fanden sie den Stall insgesamt zu „zugig“. Ihre Pferde waren bisher in Innenboxen untergebracht und man müsse doch dafür sorgen, dass man bei schlechtem Wetter rundum Türen schließen kann. Mit rundum war die Stallgasse UND der Zugang zum Paddock gemeint. Einen Unterschied zwischen (erwünschter) Luftbewegung und Zugluft schien die Dame nicht zu kennen – denn genau darauf ist dieser Stalltrakt ausgelegt.

Im Grunde zählt die Luft zu den wichtigsten Faktoren für das Stallklima: Sie soll in Bewegung sein (über 0,2m/s), eine angemessene Feuchte (von 60 bis 80%) aufweisen, ihre Temperatur im Innenraum soll der Außentemperatur folgen, sie soll nach Möglichkeit keine Schadgase enthalten und staubfrei sein. Um dies zu erreichen, ist eine offene Raumgestaltung sehr förderlich. Dank ihr kann die Luft im Stall (zwischen Gasse und Boxen, aber auch den Boxen untereinander) zirkulieren und sich im Idealfall mit der Außenluft austauschen. Schadgase haben da in Verbindung mit einer guten Stallhygiene kaum eine Chance. Selbst Staub ist durch den hohen Gehalt an frischer Außenluft nur sehr gering konzentriert: Gerade mal 150 zu 700.000(!) Partikeln in schlechter Stallluft im Innenraum sprechen für sich. Und das ist vor allem für die sensiblen Atemorgane der Pferde spürbar. Die Angst vor Zug jedoch ist in diesem Fall völlig unbegründet – denn mit flächiger Luftbewegung hat das im Grunde nichts zu tun.

Wenn man noch etwas ins Detail geht, liegt nahe, dass eine offene Form der Paddockboxenhaltung (ebenso wie die Offenstall- oder Robusthaltung) sogar die gesunde, natürliche Thermoregulation beim Pferd anregt: Denn Temperaturschwankungen und jegliche Formen der Witterung, die auf Fell und Haut auftreffen, bringen den Organismus dazu, seinen Wärmehaushalt anzupassen. Wind und Wetter stellen somit (in der Regel) für die Tiere  keinerlei Probleme dar.

Die gefürchtete Zugluft hingegen, kann durchaus ein Risiko sein und beispielsweise Muskelverspannungen hervorrufen. Dabei handelt es sich um einen Luftstrom, der kälter und schneller ist als seine Umgebung und der nicht flächig, sondern nur auf einzelne Partien des Körpers auftrifft. Ursache kann beispielsweise eine kleine Öffnung, wie etwa ein Spalt oder ein kaputtes Fenster in einer Innenbox sein. Insbesondere wenn die Fläche sehr gering ist, auf der die Zugluft auftrifft, kann die Thermoregulation nicht aktiviert werden. Zum Glück ist dies eher unwahrscheinlich bei dieser Form von Stall…

Wenn ich mir nach gut einem Jahr unsere Pferde in der Gasse so ansehe, glaube ich, wir haben alles richtig gemacht mit diesem Konzept: offen, hell, freier Himmel und das tolle Gefühl zu wissen, dass die Tiere bei jedem Wetter selbst entscheiden, ob sie ihre Nüstern in die Sonne oder ihren Hintern in den Wind halten möchten.

(Quelle zu den Zahlen im Absatz zum Thema Stallluft: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten; Foto: Eva Stockmann)

Zeit für einen Blog

Obwohl ich seit vielen Jahren eigene Pferde habe und auch immer der Meinung war, ich wisse, was (m)ein Pferd braucht, habe ich im vergangenen Jahr viel Neues gelernt, entdeckt, verworfen, konzipiert und umgesetzt. Ohne die Geduld meines Freundes, unseres Verpächters und seiner Familie wäre heute vieles am Hof nicht so, wie es ist. Aber ich hatte nun mal das Glück, gewissermaßen „freie Hand“ zu haben bei der (Um)Gestaltung unseres Traums…

Aber weshalb beginne ich nun diesen Blog? Weil ich seit einiger Zeit Mitglied in einer großartigen Facebook-Gruppe bin, in der man sich offen über Themen rund um die Pferdehaltung austauscht und statt auf Geheimniskrämerei auf das Teilen von Ideen setzt. Und da ich in den letzten Monaten mehr Wissen und Erfahrungen gesammelt habe, als all die Jahre als Einsteller, habe ich beschlossen dieses Know-how nicht mit den zahllosen Entwürfen, Skizzen, Downloads und Skripten in irgendeiner Schublade verstauben zu lassen, sondern es hier zu veröffentlichen.

So viel sei gesagt: Kein Stall der Welt ist perfekt – auch unserer nicht. Aber als Pferdeliebhaber sollte es doch unser Ziel sein, möglichst nahe an die „ideale Haltung“ heran zu kommen?! Und dazu braucht es nun mal (neue) praktische und wissenschaftliche Erkenntnisse und den Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Denn ohne diese, wären die modernen Bewegungsställe und das Konzept des Paddock Trail bis heute nichts, als Science Fiction…