50 Shades of Hay

Wenn mich eine Sache im Rahmen der Pferdehaltung beschäftigt, ist das (neben dem Konzept Paddock Trail) definitiv die Heufütterung:  Heu ist und bleibt der wichtigste Nahrungsbestandteil domestizierter Pferde und bildet damit auch die Grundlage einer gesunden Pferdeernährung. Täglich dieselbe Mahlzeit auf dem Speiseplan stört die Vierbeiner nicht im Geringsten. In Sachen Fütterung, also der Art das Heu anzubieten, freuen sie sich dennoch über Abwechslung. Ich möchte im heutigen Blog ein paar Möglichkeiten vorstellen, die wir zum Teil selbst am Birkenhof Wölling praktizieren, aber auch einige zusätzliche Anregungen liefern, die ich im World Wide Web entdeckt habe…

Doch zunächst ein paar Basisfakten:

Heu ist als faserreiches Raufutter ideal für die Verdauung von Pferden und gehört täglich in ausreichender Menge auf den Speiseplan. Mindestens(!) 1,5kg Heu pro 100kg Körpergewicht sollten einem erwachsenen Pferd täglich in mehreren Rationen zur Verfügung stehen – besser noch rund um die Uhr. Fresspausen sollten 4 Stunden nicht überschreiten. Der Grund liegt in der Anatomie des Magens:

Magengeschwüre: Wenn die Spucke weg bleibt

Vereinfacht dargestellt besteht der Pferdemagen aus zwei Abschnitten, einem drüsenlosen und einem drüsenhaltigen Teil. Der drüsenhaltige Teil ist von einer Schutzschicht überzogen, die vor den Verdauungssekreten schützt. Der andere Teil enthält keine Drüsen und keine Schutzschicht.

Nun ist der Magen beim Pferd ist auf eine kontinuierliche Futteraufnahme eingestellt und produziert deswegen ständig Säure. Der Speichel wirkt dem aufgrund seiner basischen Zusammensetzung entgegen. Wird keine Nahrung (insbesondere faserreiches Raufutter) aufgenommen, wird auch wenig Speichel produziert. Der Magensäurespiegel steigt an und der ungeschützte, drüsenlose Abschnitt wird angegriffen. Die Folge können Koliken und Magengeschwüre sein. Ziel ist es deshalb, rund um die Uhr Anreize zum Kauen zu liefern. Wer mehr zum Thema lesen möchte, wird bei den Pferdefreunden im Blog fündig: Hier geht es um Fresspausen und was sie für die Tiere bedeuten.

All you can eat: Die Lösung für alle?

In der Natur fressen Pferde viele Stunden über den Tag verteilt während sie sich langsam fortbewegen. Aus diesem Grund überlassen wir bei uns am Hof den Pferden selbst, wann und wieviel Raufutter sie zu sich nehmen möchten und bieten daher 24h Heu in allen Haltungsformen – verteilt auf mehrere Stationen. Das hält die Pferde in Bewegung, bietet Abwechslung und sorgt für eine stressfreie, magenschonende Nahrungsaufnahme.

Natürlich gibt es Pferde, die sehr leichtfuttrig, rehegefährdet oder anderweitig gesundheitlich beeinträchtigt sind. In diesen Fällen ist Heu ad libithum ohne Einschränkungen sicher keine Ideallösung (Karolina  von den Pferdefreunden hat sich  in einem eigenen Beitrag ausführlich den Pros und Contras einer 24h Heufütterung gewidmet). Aber auch oder gerade für solche Fälle gibt es Möglichkeiten, die Heufütterung alternativ zu gestalten: Engmaschige Heunetze, zeitgesteuerte Raufen oder Tore, die dann zu gewissen Zeiten unterschiedliche der hier gezeigten Stationen freigeben, bieten auch echten Sorgenkindern unter den Pferden eine willkommene Abwechslung.

Bevor ich nun endlich zur Vorstellung vieler gelungener Fütterungsmöglichkeiten komme, noch ein kurzer Exkurs zum Thema Fresshaltung:

Die natürliche Köisis-koppelrperhaltung eines Pferdes bei der Futteraufnahme ist mit gesenktem Kopf, entspannter Halshaltung und meist der Positionierung der Vorderbeine im Ausfallschritt – nur so erfolgt das Fressen anatomisch korrekt. Beim Grasen auf der Koppel ist diese Fresshaltung gegeben, viele Raufen, Heukisten und -netze ermöglichen diese Position aber nicht oder nur teilweise!

Man sollte bei der Auswahl seiner Heustationen deshalb im Hinterkopf behalten, dass die Mischung zumindest ausgewogen sein sollte und freischwingende, hoch aufgehängte Netze sich zwar als Beschäftigungsanreiz, aber nicht als ausschließliche Nahrungsquelle eignen. Ebenso verhält es sich mit zu engen Netzen, die bei den Tieren Stress verursachen können und somit wieder Magengeschwüre begünstigen.

Wir für unseren Teil bieten Heu sowohl lose vom Boden, aus bodennahen Raufen und Kisten, weit- und engmaschigen Netzen, freischwingend oder fixiert, aus Gitterraufen… eben auf unterschiedlichste Arten an, um den Tieren neben ihrer natürlichen Fresshaltung zumindest wechselnde Positionen zu ermöglichen und so Verspannungen vorzubeugen.

Bilder sagen mehr als Worte. Deshalb möchte ich in der nachfolgenden Ideensammlung die Fotos (weitestgehend) für sich sprechen lassen:

Raufen, Glocken, Durchfressgitter

Zuerst möchte ich Euch verschiedene Raufen-Lösungen zeigen. Ob Fertigmodelle, Eigenbau oder Kombinationen daraus: Die Möglichkeiten sind vielfältig:

Zupf-Varianten

Von klassischen Durchfressgittern abgesehen, werden zunehmend Versionen angeboten und konstruiert, die das Zupfen durch Stäbe hindurch erforderlich machen. Hier kommt es sehr auf das Fressverhalten der Pferde und den Durchmesser der Stäbe an – es können Zahnprobleme drohen, wenn die Gestänge zu fein (z.B. Stahlmattenzäune) und die Abstände zu gering sind! Mit Metallrohren im Abstand von 5 cm haben wir bei uns sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Pferde zupfen ausschließlich mit den Lippen, Zahnprobleme treten bisher nicht auf.

Fressringe und Heukisten

Neben Raufen gibt es auch Fressringe und Heukisten in diversen Variationen. Hier sind der Fantasie beim Tüfteln kaum Grenzen gesetzt und der Markt gibt einige „Fertiglösungen“ her:

Netze und Co.

Viele Pferdebesitzer verwenden außerdem Heunetze, -taschen, -tonnen oder -säcke, die sowohl an der Wand, zwischen Bäumen oder frei schwingend eingesetzt werden können:

„Mobile Heufütterung“

Zu guter Letzt noch ein paar „mobile“ Beispiele, um Heu mal auf andere Art anzubieten –  zur Ergänzung und Beschäftigung:

Hinweis: Die Ball-Variante und das Heukissen sollten meines Erachtens nur unter Aufsicht angeboten werden – mein Vertrauen in das Material wäre nicht groß genug, um ein Pferd damit allein zu lassen. Allerdings habe ich beide noch nicht ausprobiert und wäre neugierig auf einen Versuch…

Wer sich für einige der hier gezeigten Futterstationen interessiert, findet hier der Vollständigkeit halber noch eine Linksammlung zu den verschiedenen genannten Anbietern:

Heunetze von Löwers

Patura Großballenraufe mit Sicherheitsfressgittern

Zeitgesteuerte Powerraufe

Patura Futterring mit 4 Segmenten (teilbar)

Kleine Patura Wandraufe

Hay Bar

Heukiste Heufresser

Hay Play Futterball

GROWI Futterball

GROWI Paddockraufe

GROWI Wandraufe groß

Mammut Freisteher

GROWI Paddocktrog Kunststoff

Heu to Go Heukarussel

Heu Toy

Heu Enjoy

Der Heusack

Harrys Horse Heutasche

Mammut Heukissen

Noch nicht genug 🙂 ?

Bei Klaudia von Two Toned – Dein Pferd in Balance gibt es einen eigenen Beitrag zum Thema Slow Feeder.

Auch Dietmar von Pferdekult – Die ganze Welt der Pferde hat sich mit Futterstationen im Pferdestall befasst.

Alessa Neuner hatte kürzlich die Heutonnen von Eazigrazer im Test.

Und bei Line von Kultreiter geht es um Tipps zur Pferdefütterung allgemein – ein umfassendes Thema mit vielen Aspekten.

 

Jetzt seid Ihr dran:
Welche Arten der Heufütterung bietet Ihr Euren Pferden an? Habt Ihr ergänzende Ideen zu den hier gezeigten Beispielen?

 

 

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Vom Planquadrat zum Lebensraum: Paddockgestaltung mal anders

Mein letzter Beitrag ist schon eine ganze Weile her, der Sommer war ereignisreich… Und immerhin ist die Liste meiner geplanten Blogs schon sehr umfangreich. Bald gibt es mehr!

Bis dahin möchte ich die Zeit ein wenig überbrücken und Euch einladen in einem Gastbeitrag  zu schmökern.

Hintergrund war, dass meine Blogger-Kollegin Karolina Kardel einen Artikel zum Thema Paddocktrail für das Pferdemagazin ReitZeit geschrieben hat. Als Interviewpartnerin hatte ich die Möglichkeit, unsere Trails vorzustellen. Leider bietet aber natürlich nicht jeder Offenstall die Möglichkeit, einen Paddocktrail anzulegen und auch ein ganz normaler Auslauf lässt sich ohne großen Aufwand abwechslungsreich gestalten. So hat mich Karolina um einen Gastbeitrag zum Thema Paddockgestaltung gebeten. Was dabei raus kam, lest Ihr am besten im Original bei Pferde-Freunde.com.

So viel sei verraten: Es geht um Pferde als Dauerfresser, Entdecker und Lauftiere…

Außerdem möchte ich Euch gern Karolinas Beitrag zum Thema Paddockboden ans Herz legen. Die Matschsaison beginnt bald…

Viel Spaß!

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hier gehts zum Beitrag

Der Weg ist das Ziel: Pferdehaltung auf dem Paddock Trail

Pferde leben in Boxen. Das war lange Zeit Standard. Und auch wenn sich mittlerweile der Offenstall zumindest in Teilen der Pferdewelt etabliert hat, ist damit das Optimum in Sachen Haltung längst nicht erreicht. Einen Großteil des Tages stehen die Vierbeiner im Stall oder auf dem Auslauf. In der freien Natur hingegen bewegen sie sich über viele Stunden hinweg und wandern durch abwechslungsreiches Gelände von Futterplatz zu Futterplatz oder auch zur Wasserstelle. Das Konzept des Paddock Trail versucht den natürlichen Lebensraum im Kleinformat abzubilden – und bringt so Pferde in Bewegung.

Ein Offenstall mit befestigtem Paddock an sich bietet Pferden nichts Aufregendes: Heuraufe, Wasserstelle und Gesellschaft von Artgenossen.  Zusätzliche Koppelflächen erweitern das Platzangebot und locken mit köstlichem Gras. Meist sind diese jedoch nicht ganzjährig nutzbar und halten je nach Jahreszeit und Witterung Gefahren wie Hufrehe und Co. bereit. Ein Paddocktrail hingegen verbindet die Vorteile artgerechter Gruppenhaltung mit jeder Menge Raum für Bewegung auf grasarmen Böden und sorgt zusätzlich mit Gestaltungselementen für Motivation und Abwechslung.

Lernen durch Beobachten

Die Grundidee basiert auf den Beobachtungen des ehemaligen Hufschmiedes Jamie Jackson: Nach über 20 Jahren Forschung in den Wildpferdereservaten Nordamerikas kam er zu Erkenntnissen über die Bedingungen einer möglichst artgerechten Pferdehaltung, die er 2006 im Buch „Paddock Paradise“ veröffentlichte. Ein grundlegendes Argument aus Sicht des Hufspezialisten waren allen voran natürlich die gesunden, robusten Hufe der Wildpferde. Kein Wunder: Die Tiere legen etwa 15 bis 30 Kilometer am Tag zurück und das auf immer gleichen Wegen in ihrem Territorium – den sogenannten Trails.

Sie folgen ihren täglichen Gewohnheiten, passieren unterschiedlichste Böden und fressen 16 bis 18 Stunden kontinuierlich kleine Mengen Futter. Lediglich fünf Prozent der Zeit verbringen sie mit Spielen, Rangkämpfen, Fortpflanzung und ähnlichem. Wie wichtig das Wandern offenbar für die Gesunderhaltung der Vierbeiner ist, liegt auf der Hand.

Weite Wege, kleine Flächen

Da die meisten unserer Flächen im Rahmen der Pferdehaltung nicht mit den Dimensionen der nordamerikanischen Wildnis mithalten können, projiziert das Konzept des Paddock Trail die natürlichen Rahmenbedingungen auf künstlich angelegte Wegenetze. Um möglichst lange Strecken für die Fortbewegung zu ermöglichen, führen diese meist im Kreis, ergänzt durch Alternativwege oder mögliche Abkürzungen. Um die „Wanderschaft“ in Gang zu setzen, gibt es verschiedene Futterstationen auf den Trails: Angefangen mit Raufen, einzeln platzierten Netzen bis hin zu kleinen auf dem Weg verteilten Heu-Haufen – die Herdendynamik sorgt für den Rest. Zusätzlich bieten Salzstationen, Knabberäste und nicht zuletzt eine strategisch klug platzierte Wasserstelle Bewegungsanreize. Für Abwechslung und gesunde Hufe sorgen wechselnde Untergründe, Wasserfurten, Wurzelwege und Kletterhügel.

Die Trails auf dem Birkenhof Wölling

Bei uns am Hof haben für zwei Offenstallgruppen Trail-Konzepte umgesetzt. Für unsere Zuchtpferde mit Fohlen haben wir eine Lösung mit Naturboden, Flusssteinen, Hügel, Wurzelweg und Bachdurchgang. Der Trail hat etwa 450 Meter Länge und ist für 6 bis 8 Pferde angelegt. Darüber hinaus bietet der Freizeitstall eine zusätzliche Anlage für 12 Einsteller mit teilweise befestigtem Boden. Mit dem neuen Sommertrail, den wir 2016 fertigstellen, steht den Pferden ein Wegenetz mit über einem Kilometer Länge zur Verfügung.

Welche Details das Wegenetz der Pferde künftig ergänzen werden, wird sich zeigen. Denn so wie der Weg beim Paddock Trail das Ziel ist, werden wir wohl  auch mit der Gestaltung nie ganz fertig… 🙂

Im Fohlenfieber

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag bereits verraten habe, dass wir dieses Frühjahr Fohlen erwarten, möchte ich diesen Blog nun den plüschigen „Bald-Ankömmlingen“ bei uns im Stall widmen. Ehrlich gesagt, ist das erste Exemplar der Hauptgrund dafür, dass ich solange nicht an den Schreibtisch gekommen bin, denn dieses kleine Wesen raubt mir mittels Schlafmangel (wegen der nächtlichen Kontrollen) und einiger Vorbereitungen im Stall noch den letzten Nerv… Vielleicht bin ich ein wenig überbesorgt, aber das kann man mir beim ersten Nachwuchs hoffentlich verzeihen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Vor knapp einer Woche wäre eigentlich der errechnete Geburtstermin gewesen und ich sitze bereits wie auf Kohlen. Dabei ist das nichts ungewöhnliches, sagt unser Tierarzt: Gerade junge Stuten und Erstgebärende neigen dazu, bis zu einem Monat(!) zu übertragen. Uff – wenn Johari das noch so lange durchzieht, muss ich danach zur Mutter-Kind-Kur… DANACH ist ein gutes Stichwort. Aber wie genau sehen die GeburtsVORbereitungen in Sachen Haltung eigentlich aus? Zunächst einige Basis-Fakten:

Termine und Untersuchungen

Natürlich beginnt alles mit dem Notieren der Decksprünge, um überhaupt einen Termin errechnen zu können: Knapp 11 Monate (manchmal auch bis zu 12) dauert es von der Bedeckung bis zur Geburt. Nach 18 Tagen ist ein erster Ultraschall zur Bestimmung der Trächtigkeit möglich. Nach 25-30 Tagen ist eine Nachkontrolle zu empfehlen, um eine frühe Resorption des Fohlens auszuschließen. Man sollte unbedingt bedenken, dass es sich hierbei nicht um eine Ultraschall-Untersuchung von außen handelt, sondern eine Rektaluntersuchung, die für die Stute nicht besonders angenehm ist. Um unnötige Sedierungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen medizinischen Untersuchungsstand für Pferde zu nutzen. Wir haben mit einfachen Mitteln einen solchen gebaut und nun dank der simplen Konstruktion stressfreie Kontrolltermine für Tier und Mensch: links ein Panel, rechts eine stabile Wand, vorn ein Balken in Brusthöhe und an der Rückseite eine alte Stalltür vom Dachboden, die wir mit zwei Riegeln stabilisieren und mit einer Rohrisolation an der Oberseite abpolstern können. Vorn hängen wir (vor dem Brustbalken, seitlich in das Panel) bei den Untersuchungen immer einen Futtereimer ein. Dann ist die Stute beschäftigt und alles gleich halb so wild.

Gesundheitsvorsorge

Während der Trächtigkeit ist – wie natürlich auch bei allen anderen Pferden – auf regelmäßige Impfung (Tetanus(!), Influenza und ggf. Herpes) und Entwurmung zu achten. Die letzte Wurmkur sollte knapp einen Monat bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eingegeben werden (hier scheiden sich die Geister ein wenig). Ziel ist es, dass das Neugeborene mit keinen/möglichst wenig Parasiten in Berührung kommt.
Eine gute Übersicht zu wichtigen Terminen rund um die Trächtigkeit bietet übrigens die neben dem Deckstand abgebildete Drehscheibe zum Ausschneiden (Danke an Silke Göllner fürs Zusenden!)

Die Abfohlbox

Auch wenn sich die tragende Stute bis zur Geburt bewegen darf und soll, muss ihr auch genügend Ruhe ermöglicht werden. Die Gewichtszunahme scheint unserer Johari vor allem in den letzten Wochen ziemlich zu schaffen zu machen. Wir entscheiden uns, sie schon frühzeitig nachts in die Abfohlbox zu bringen und tagsüber weiterhin in ihrer gewohnten Offenstallherde laufen zu lassen. Entscheidender Vorteil: Sie gewöhnt sich an die Umgebung und bildet die passenden Antikörper für den Ort der Geburt UND den Aufenthaltsbereich, in dem sie und ihr Fohlen sich danach gemeinsam mit der Herde aufhalten werden. Der Nachwuchs bekommt diese Antikörper dann über die Kolostralmilch übertragen und erhält so quasi seine erste „Impfung“.

Beim Thema Abfohlbox haben wir uns jede Menge Gedanken gemacht: Groß und hell sollte sie sein, der Boden gut abgepolstert. Die beste Wahl in unserem Fall war eine spezielle 15 Quadratmeter Außenbox mit Schiebetür an der Südseite. Durch die Nähe zum Offenstall haben Johari und ihre Herde von dort aus (im Gegensatz zu unserer Paddockboxengasse) immer Sichtkontakt und sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Einige Wochen vor Bezug haben wir die Box mit 4,5cm starkem Gummipflaster ausgelegt und zu 2/3 dick mit Stroh eingestreut. Neben einer Selbsttränke wurde –wie in all unseren Boxen – eine Großraum-Raufe eingebaut, um Heu ad lib sicherzustellen. Die Gitterabstände von knapp 5 cm haben uns aber dazu bewogen, den unteren Teil der Raufe zur Sicherheit zu verkleiden, damit das Fohlen nicht hängenbleiben kann. Auch das Panel an der Frontseite der Box haben wir im unteren Bereich abgedichtet. Letzter Feinschliff: Den Lecksteinhalter so hoch anbringen, dass das Fohlen nicht ran kommt. Es kommt vor, dass die Kleinen so intensiv Salz aufnehmen, dass sie Durchfall bekommen. Gut, wenn sich das vermeiden lässt.

Damit wir jederzeit alles im Blick haben, wurde eine Kamera mit Wlan-Signal installiert: Beim nächtlichen Check reicht somit ein Blick aufs Handy und wir sehen über einen Netzwerk-Stream, was Johari gerade macht. Meistens schlafen…

Nach der Geburt: Zwischenstation und Rotation

So weit so gut. Die Abfohlbox ist bezogen, die Bald-Mama entspannt. Nun heißt es einen Schritt weiter denken: Nach der Geburt sollen Stute und Fohlen natürlich möglichst bald Freilauf erhalten und in ihre Herde integriert werden. Um den beiden aber nach den gemeinsamen Koppelgängen Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, beziehen sie eine direkt an den Offenstall angrenzende Doppelbox mit etwa 50 qm Paddock. Die Abfohlbox wird zu diesem Zeitpunkt dann von der nächsten Stute bezogen (unsere Fohlen kommen mit 1-2 Monaten Abstand) und dann rollieren wir das System erneut durch.

Die Zaunanlage: unterschätzte Gefahr?

Was es außerdem zu bedenken gibt: Sind Paddock und Koppeln „fohlensicher“? Unsere Umzäunung ist das mit drei Seilen und Abständen von 50 bis 60 cm eher nicht: Die Fohlen könnten zumindest in der ersten Zeit darunter oder dazwischen durch schlüpfen. Die Seile weisen außerdem keine sonderlich gute Sichtbarkeit auf – die Fohlen nehmen sie vermutlich zu spät wahr. Und: Die Seile schneiden leider relativ schnell ein, sollte ein Pferd sich darin verfangen. Ein Risiko, dass wir minimieren möchten.

Nachdem wir unsere Zäune im vergangenen Jahr komplett mit diesem System erneuert haben, können wir nun nicht wieder alles abreißen und in eine andere Zaunanlage investieren. Wäre das möglich, wäre Hippowire von Patura meine erste Wahl für den Fohlenbereich: Wir haben diesen Pferdesicherheitszaun um den Paddock unseres zweiten Offenstalls. Das Material ist eine Verbindung von stromleitendem Kunststoff mit einem Stahlkern – absolut stabil, gut sichtbar und ohne Verletzungsrisiko durch Schnitte. Die Lebensdauer soll laut Hersteller 10 Jahre betragen. Einziger Nachteil: Eine nicht ganz einfache Installation (ich würde Hilfe über Patura empfehlen) und ein der Qualität entsprechender Preis.

Zaun mit BändernIch entscheide mich beim Fohlenzaun also für einen Kompromiss: Ich entferne das untere Seil unseres bestehenden Zaunes und ziehe stattdessen zwei Reihen Breitband in 20 mm Stärke ein. Das schmale weiße Band mit Streifen in Signal-Orange ist nicht so anfällig gegen Wind und Frost wie oftmals die Ausführung in 40 mm Stärke, bietet aber eine gute Sichtbarkeit und kein Schnittrisiko. Mit dieser Lösung versehen wir zunächst den Paddock unseres Zucht-Offenstalls sowie eine der großen Koppeln. Den gerade entstehenden Trail und weitere Koppelflächen können wir bei Bedarf nachrüsten.

Wir sind also weitestgehend vorbereitet – und gespannt, ob die Fohlen das genau so sehen. Vielleicht kommt Nummer eins ja schon heute Nacht…

Wie es danach weitergeht? Ich werde es hier berichten. Die artgerechte Fohlenaufzucht hält sicher wieder einige Herausforderungen bereit. Bei Bloggerkollegin Nina von Roping my dream gibt es dazu schon einen schönen Beitrag. Wer (noch) kein eigenes Fohlen hat und mit dem Gedanken spielt eines zu kaufen, findet bei Line von Kultreiter eine super Checkliste.

 

Einsam war gestern: Hengsthaltung heute

Hengste sind einsam, heißt es. Zumindest außerhalb der freien Natur. Man hält sie in sicheren Boxen, Freilauf gibt es in der Halle. Koppelgang riskiert man besser nicht – sie könnten ausbrechen. Und Gruppenhaltung ist sowieso unmöglich, Hengste sind schließlich unberechenbar…

Leider halten sich Gerüchte wie diese noch immer hartnäckig und dem „bösen Hengst“ wird so manches Übel nachgesagt. Dabei sind auch sie einfach nur Pferde und mit ein wenig Sachverstand kann man ihnen durchaus ein artgerechtes Leben bieten. Auch wenn unser Nasir mittlerweile Wallach ist und wir derzeit keine Hengsthaltung bei uns am Hof haben, liegt mir dieses Thema nach wie vor sehr am Herzen und ich möchte zum Einen gern unsere Erfahrungen zum Thema festhalten und zum Anderen anhand einer aktuellen Umfrage zeigen, wie unterschiedlich und artgerecht Hengste heute leben (können).

Unsere Vorgeschichte

Auf den Hengst gekommen sind wir im Frühjahr 2011. Unser damaliger Hof hatte gerade einen Offenstall als „Männer WG“ fertiggestellt. Ein erwachsener Wallach sollte dort mit drei Junghengsten leben. Und wir ergatterten den letzten freien Platz als Einsteller! Eine bessere Aufzucht hätten wir uns für unseren jungen Vollblutaraber Nasir kaum wünschen können: Gleichaltrige zum Spielen, ein „Erziehungsberechtigter“, der für Ordnung sorgt, ein kleiner Paddock, Unterstand, Fressständer, ein Mini-Wäldchen mit Hanglage und oberhalb schöne große Koppeln. Eigentlich perfekt.

Leider wurden die Jungs aber älter und zwischen Nasir und einem der anderen Hengste gab es zunehmend Reibereien und Rangkämpfe. Mal waren es nur Schrammen, ab und an aber auch ernsthaftere Verletzungen. So schwer es uns fiel, blieb nur die Überlegung, unseren 4-Jährigen bald legen zu lassen oder uns nach einer Alternative umzusehen. Wir zogen mehrere Varianten in Betracht und entschieden uns schließlich für eine Haltung in Eigenregie. Anfangs war ein Stall für vier Pferde geplant, ausschließlich für eigene. Aber wie es das Schicksal wollte, hatten wir plötzlich einen Hof mit Pensionsbetrieb zur Pacht. Damit das mit Hengst funktionierte (die Vorurteile potentieller Einsteller waren anfangs groß), bauten wir kräftig um und Nasir bekam eine stabil umzäunte, extra große Paddockbox mit einer guten Übersicht, angrenzenden Koppeln, einen hohen Zaun mit vier Litzen, ein eigenes Stromgerät mit 10.000 Volt… Direkt nebendran, mit einem knappen Meter Sicherheitsabstand, „seine“ Stuten. Aus unserem Fohlen war mittlerweile ein recht ansehnlicher junger Mann geworden, den wir beim Zuchtverband bewerten und eintragen ließen. Einen Winter über blieb er in Einzelhaltung mit Sichtkontakt zu den anderen Pferden. Er schien zufrieden – aber doch einsam.

Wir überlegten lange, ob wir ihn mit einem bei uns eingestellten Wallach zusammen halten sollten, oder doch den Versuch wagen, ihn mit den von ihm gedeckten Stuten auf die Koppel zu schicken. Zwischen ihm und unserer Johari „knisterte“ es seit dem ersten Tag. Nach dem Decken an der Hand schmusten die beiden intensiv. Wir entschieden uns, es zu versuchen. Mit Erfolg: Nach wenigen Tagen war nicht nur Ruhe eingekehrt. Johari begann auch, Nasir zu erziehen und schon bald war sie ganz klar die Chefin. Wir konnten sie problemlos zu ihm bringen und wieder abholen, wenn die beiden abends in ihre (nebeneinander liegenden) Boxen gingen.

Der Gedanke, sie im Frühjahr, nach Geburt des Fohlens, dauerhaft zu trennen, brach uns fast das Herz. Da wir nicht erneut mit Nasir decken wollten, entschieden wir uns letzten Herbst schließlich doch für eine Kastration. Nun lebt unser „Halbmann“ mit seiner Johari und zwei weiteren Stuten in einem kleinen Offenstall am Haus. Über den Sommer kommen insgesamt drei Fohlen zu der kleinen Herde dazu – zwei davon sind von Nasir. Mit knapp 6 Jahren darf er nun in die Rolle des Erziehungsberechtigten schlüpfen.

Untrennbar: Haltung und Verhalten

Wie eingangs erwähnt: Hengste sind auch nur Pferde. Das soll jedoch nicht heißen, dass man sie unterschätzen sollte! Sie fordern den Menschen deutlich mehr, als Wallach oder Stute und man muss viel Zeit in dieses atemberaubende Individuum investieren. Die typischen „Hengstmanieren“ kommen früher oder später zutage und es braucht Konsequenz, Fairness und Erziehung, um sie weitestgehend einzudämmen. Man sollte dabei unbedingt berücksichtigen, dass die natürlichen Verhaltensweisen und der Hormonhaushalt eng mit der Haltungsform von Hengsten verknüpft sind. Und gerade das Unwissen um diese Zusammenhänge belastet den Ruf der edlen Tiere leider immer noch ungemein.

Ein einfaches Beispiel: Ein teurer Hengst im Deckeinsatz. Haltung in der Außenbox, kein Koppelgang, kein Kontakt zu anderen Pferden. Er verlässt sein Gefängnis ausschließlich für den Gang zum Deckstand oder für das Schautraining. Geritten wird er nicht. Seinen Bedürfnissen, nach Luft, Licht, und Bewegung wird kaum Rechnung getragen, der Sozialkontakt ist minimiert und der Fortpflanzungstrieb nimmt neben einer stetig wachsenden Dominanz eine zentrale Rolle in seinem Leben ein. Beim Decken lässt er sich kaum noch handeln, die Klappe seiner Außenbox wird nun immer häufiger einfach geschlossen, weil er sich lautstark bemerkbar macht und seinen Unmut zum Ausdruck bringt. Das Betreten der Box wird für das Stallpersonal direkt gefährlich. Und das Tier Hengst entspricht mehr und mehr dem schlechten Bild, das viele ohnehin von ihm haben. Schade nur, dass seine Lebensumstände bei diesen (nun erfüllten) Vorurteilen keinerlei Berücksichtigung finden…

Hengsthaltung heute – eine Umfrage

Umso schöner erscheint das Ergebnis einer kleinen Umfrage, die ich vor knapp vier Wochen in einer Facebookgruppe für Hengsthalter (Hengste – Gruppe für Hengsthalter, aktuell 1626 Mitglieder) gestartet habe. Ich wollte wissen, wie es den Freizeit-, Sport- und/oder Zuchthengsten in Sachen Haltung ergeht. Natürlich setze ich voraus, dass sich dort vorwiegend diejenigen tummeln und austauschen, denen –anders als in meinem Beispiel – ein artgerechtes Leben ihres temperamentvollen Vierbeiners am Herzen liegt. Man kann also eher nicht von einem wirklich repräsentativen Ergebnis sprechen. Dennoch finde ich, dass bei knapp 100 Teilnehmern(!) ein gewisser Spiegel der Realität geliefert wird. Und die sieht in meinen Augen gar nicht mal so schlecht aus:

Gut 50 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihre Hengste gemeinsam mit andere Hengsten oder Wallachen in der Herde zu halten. Insbesondere das Modell „Junggesellengruppe“ funktioniert prima – wie auch in der Natur. Einige Umfrageteilnehmer berichteten jedoch sogar von Herdenkonstellationen mit mehreren Althengsten, die problemlos funktionieren, bei einer Teilnehmerin laufen sogar Hengste, Stuten und Wallache gemeinsam. Was mich besonders freut: 16 Prozent ermöglichen ihren Hengsten ein gemeinsames Leben mit Stuten oder sogar Stuten und Fohlen – eine Haltung, die einem Familienverband in freier Wildbahn sehr nahe kommt.

Beinahe 70 Prozent des Umfrageergebnisses entfallen auf Gruppenhaltung, 10 Prozent auf Einzelhaltung mit Gruppenauslauf. Nur bei knapp 22 Prozent der Teilnehmer werden die Hengste einzeln mit separatem Paddock/Koppel gehalten, viele davon aber mit Schnupperkontakt zu Wallachen oder Stuten. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich.

Individuell anders

Gerade mit Junghengsten erscheint vieles zunächst noch einfach. Die Situation kann sich mit zunehmendem Alter aber schnell ändern. Wechselnde Umstände sollte man deshalb gut bedenken. So wie diese Teilnehmerin:

„Mein Hengst steht 24h mit einem Wallach im Offenstall zusammen, dieser ist so angelegt dass sobald sich zwischen den beiden Kumpels was ändern sollte, die beiden auch nebeneinander gehalten werden können.“

Eine weitere Umfrageteilnehmerin schreibt in den Kommentaren:

„Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass einige Hengste sich ab dem 3. Jahr oder ab Deckeinsatz unverträglich zeigen. Einige unserer Hengste stehen daher auch auf jeweils eigenen Weiden/Außenboxen.“ (editiert)

Alter und Einsatz der Tiere sind natürlich immer zu berücksichtigen, ebenso wie die individuellen Umstände. Eine Umfrageteilnehmerin klagt:

„Ich hätte auch lieber eine andere Haltung, ist nur leider im Pensionsstall nicht möglich. Er hat aber wenigstens Kontakt zu Artgenossen.“

Natürlich ist nicht immer alles möglich. Aber selbst im fortgeschrittenen Alter scheint es nicht zu spät für Veränderungen:

„Unser 19-jähriger Hannoveraner Deckhengst Dantes hat eine Nachtbox, tagsüber ist er mit den zwei älteren Stuten draußen auf der Weide. Da er erst seit 3 Jahren bei uns steht, ist es schwierig gegen seine langjährige Einzelhaft anzukämpfen. Aber mit der jetzigen Lösung ist er voll happy, das ist das wichtigste!“ (editiert)

Eine Züchterin schreibt:

„Da wir fünf gekörte Deckhengste haben und drei Junghengste, halten wir die Herren dem Alter entsprechend unterschiedlich. In der Hengstherde im Offenstall. Zusammen mit Wallachen. In der Deckzeit separiert nur mit Stuten.“ (editiert)

In einem späteren Post ergänzt sie:

„Je älter der ganze Kerl, umso höher meist das Dominanz- und Triebverhalten. Diese älteren Herren stelle ich neben den Stuten nicht mehr zusammen. Das ist nicht endender Stress für die gesamte Gruppe. Der alte Herr steht gern mit Wallachen. In der Herde der Stuten noch lieber. Zufrieden ist er aber auch statt nur mit den gedeckten Stuten direkt neben allen Stuten für sich allein. In der Zeit von Mai bis September duldet er bei den Stuten keinen Mann neben sich. Und so ist jeder Hengst hier individuell anders.“

Individuell anders – treffender könnte man es kaum beschreiben. Denn letztlich sollten wir jedem Hengst, wie jedem anderen Pferd auch, die Haltung ermöglichen, mit der er sich am wohlsten fühlt und die im eigenen Umfeld auch funktioniert.

Ich persönlich denke, man sollte seine Möglichkeiten immer bestmöglich ausschöpfen, auf wechselnde Umstände vorbereitet sein und Dinge auch mal einfach ausprobieren. Ganz besonders im eigenen Stall. Manchmal bereue ich es ein wenig, dass wir die Hengsthaltung aufgegeben haben. Irgendwie vermisse ich die maskuline Imposanz. Zum Glück hat Nasir sein typisches „Hengst-Brummeln“ nicht ganz abgelegt. Und wer weiß, ob wir nicht bald über eine Junghengstaufzucht nachdenken müssen…

 

 

Enrichment – Schöner Wohnen für Pferde

In meinem letzten Blog ging es um die Grundbedürfnisse der Pferde als Basis für eine möglichst artgerechte Haltung. Leider haben selbst ambitionierte Pferdemenschen nicht immer die Möglichkeit ihrem Vierbeiner das Optimum zu bieten. Dabei sind es gerade die kleinen Dinge, die uns Stufe für Stufe die Bedürfnispyramide erklimmen lassen – das lehrt uns das Behavioral Enrichment.

Beim Enrichment oder der Verhaltensanreicherung geht es darum, Tieren, die in Gefangenschaft leben, Beschäftigungsanreize zu bieten, die ihre genetischen Anlagen aktivieren. Sind Körper und Geist beschäftigt, bedeutet das nicht nur einen deutlichen Gewinn für die Lebensqualität, sondern wirkt auch Langeweile und Stereotypien entgegen.

Um unseren Vierbeinern also arttypisches Verhalten zu ermöglichen und ihnen Abwechslung zu bieten, fangen wir am besten bei der Nahrungsaufnahme an: Eine 24h gefüllte Heuraufe ist eine gute Basis, um dem Dauerfresser Pferd gerecht zu werden. Zwei Raufen oder mehr, möglichst weit voneinander platziert sind allerdings noch besser. Mit verschiedenen Fressplätzen werden die Tiere zum Pendeln angeregt und mehrmals am Tag von einem Platz zum anderen wandern. Heunetze, Durchfressgitter, frei hängende Heu-Toys, zeitgesteuerte Varianten oder das Verteilen vieler kleiner Portionen an verschiedenen Positionen sorgen außerdem für ein langsameres Tempo bei der Nahrungsaufnahme. Je unterschiedlicher und zahlreicher die Fressplätze, desto abwechslungsreicher gestaltet sich das „Slow Food“ für Pferde. Zusätzlich zum Grundnahrungsmittel Heu kann man – gerade leichtfuttrigen Tieren – auch gutes Stroh als Alternative anbieten, als Alleinfuttermittel wird es jedoch nicht empfohlen. Für die Gabe von Kraftfutter existieren moderne computergesteuerte Lösungen, die mehrmals am Tag kleine Mengen abgeben und die Pferde so immer wieder zum Besuch der Stationen anregen. Auch Lecksteine können als Bewegungsanreiz an verschiedenen Stellen platziert werden und durch clevere Aufhängung oder Einbettung in das natürliche Umfeld zum spannenden Zeitvertreib werden: Baumstämme, Steinhaufen oder -Türme, bei denen man den Inhalt erst entdecken muss, sind letztlich viel interessanter als konventionelle Lösungen mit Wandhalterungen.

Was immer wieder vergessen wird: Pferde zogen ursprünglich nicht nur durch karge Steppenlandschaften, sondern waren mitunter auch in Wäldern heimisch. Gewachsene Baumgruppen mit unempfindlichen Altbeständen von Obstgehölzen, Birken, Weiden, Haselnusssträuchern… bieten deshalb auch unseren domestizierten Tieren eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan. Selbst wenn man den Genuss von Hölzern „direkt vom Baum“ auf den Weide- oder Paddockflächen nicht immer bieten kann, hat man mit der Gestaltung von Totholzhecken (also z.B.. der Anhäufung von Baumschnitt zwischen eingeschlagenen Pfosten) oder einzelnen Knabberästen die Möglichkeit, seinen Pferden ein Stück ihrer Natur zurück zu geben.

Ähnlich verhält es sich mit Möglichkeiten zur Fellpflege: Baumstämme sind ideale Schubberplätze. Ohne nutzbaren Baumbestand bieten an betonierten, stabilen Pfosten befestigte Bürsten oder Gumminoppen eine Alternative, die gern angenommen wird. Zum Wälzen ist ein weicher Sandboden das Optimum und kann insbesondere bei strategisch kluger Platzierung ebenfalls als Enrichment betrachtet werden.

Apropos Platzierung: Beim Wasser scheiden sich die Geister ein wenig. Ein Stück weit von den Futterstellen entfernt kann es durchaus als Bewegungsanreiz eingesetzt werden. Einen Weg von etwa 100 Metern sehen die meisten Experten als angemessen an, von deutlich längeren Wegen wird hingegen abgeraten – es kommt vor, dass die Tiere dann nicht genügend trinken.

Insgesamt ist ein ausgeklügeltes Wegenetz, das mehrere Futterstationen, Wasser, überdachten Liegebereich, Wälzplatz und mögliche weitere Elemente des Behavioral Enrichments miteinander verbindet wohl das Optimum der modernen Pferdehaltung. Beim Konzept des aus den USA stammenden „Paddock Trail“ ist sozusagen der Weg das Ziel. Natürliche Hindernisse wie beispielsweise Baumstämme, Kletterhügel sowie unterschiedliche Untergründe sorgen hierbei ebenso für Abwechslung wie der Track selbst, der etwa durch Ein-Wege-Tore oder alternative Streckenabschnitte deutlich reizvoller für die Pferde ist, als ein rechteckiger Auslauf. Durchaus erstrebenswert…

 

Auch wenn ich zu 100% hinter der Idee des Paddock Trail stehe und das Konzept zentrales Element unserer Philosophie ist, bin ich nicht der Meinung, dass Pferde in anderen Haltungsformen ganz ohne Enrichment auskommen müssen. Denn auch auf konventionellen Offenstall-Paddocks und ja sogar für Boxenpferde lassen sich Bereicherungen schaffen. Bei uns am Birkenhof Wölling bieten wir der Boxengruppe im Winter beispielsweise zwei Heuboxen zwischen denen sie auf dem knapp 90 Meter langen Paddock pendeln können. Künftig wird ein Heu-Karussel ein zusätzliches Enrichment bieten und langsames Fressen bei langsamer Fortbewegung ermöglichen. Im Sommer führt ein Trail die Tiere zu den großen Koppeln und bei Bedarf zurück zu Tränke und Heuboxen auf dem Paddock.

Selbst in den Paddockboxen versuchen wir durch Trennung der Funktionsbereiche (Wasser und Liegeplatz innen, Heuraufe außen) für ein Mindestmaß an Bewegung zu sorgen. Gerade haben wir den außergewöhnlichen Fall, dass einer unserer Bewohner, der liebe Athos, für einige Wochen Boxenruhe benötigt, nachdem er eine OP hinter sich hat. Neben der großen Gitterraufe bekommt er zur Abwechslung mal eine Portion loses Heu, mal ein engmaschiges Netz, mal eines mit weiten Maschen. Ab und zu hängen wir ihn ein mit Karotten und Heu bestücktes Körbchen in die Box, bei dem er sich ganz schön anstrengen muss, um an die Leckereien zu kommen. Von Frauchen hat er außerdem einen Spielball und einen Plastik-Kanister zur Beschäftigung bekommen und einmal am Tag gibt es frisches Knabberholz. Bisher hat er einen Kratz-Besen auf dem Einzelpaddock zur Verfügung. Nachdem er aber eine eigene Lieblings-Schubberstelle im Türrahmen gefunden hat, bekommt er dort nun zusätzlich Bürsten oder Gumminoppen angebracht.

Denn auch wenn Athos natürlich lieber mit den anderen raus gehen würde, versuchen wir ihm den Krankenstand so angenehm wie möglich zu machen. Wenn er wieder ganz gesund wird, darf er im Frühling in den Bewegungsstall einziehen. Und dort wird sich wie am gesamten Hof 2016 noch einiges tun… Weil Enrichment uns genau so viel Freude bereitet wie unseren Vierbeinern!

 

Was Pferde glücklich macht

Bed & Breakfast für Ponies? So einfach funktioniert (gute) Pferdehaltung bei weitem nicht – insbesondere dann, wenn man sich um ihre Bedürfnisse bemüht und den sensiblen Vierbeinern mehr als nur ein Dach über dem Schopf bieten möchte…

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich schon über Artikeln und Büchern gebrütet habe, in Gruppen diskutiert, Pläne gezeichnet, geändert und wieder zerissen habe im vergangenen Jahr. Zu Recht – denn es sind viele Aspekte, die bei der modernen Pferdehaltung Berücksichtigung finden können. Und das macht die Sache für mich so enorm spannend!

Wenn man zurück blickt, wurden Pferde durch den Menschen in die unterschiedlichsten Behausungen gesteckt. Dabei fing alles ursprünglich mit naturnaher Herdenhaltung an, bis wir beschlossen, dass Anbindehaltung in Ständern und später Einzelboxen viel bequemer für uns waren. Das Pferd als stets verfügbares (Arbeits)Tier passte offenbar bestens in „unser“ Bild vom Pferd. Dass damit aber seine wichtigsten Grundbedürfnisse teilweise oder gar komplett vergessen wurden, spielte viel zu lange eine untergeordnete Rolle.

Etwas Stroh, Heu und Wasser in einer geschlossenen Innenbox sind allerhöchstens für den Reiter bequem. Denn heute weiß man, dass neben Nahrung auch Licht, Luft, Sozialkontakt und Bewegung unabdingbar sind, um Pferde körperlich und seelisch gesund zu halten. Wer glaubt, seinem Pferd mit 3 Rationen Heu, täglichem Koppelgang in der Gruppe und einer Stunde Reiten ein perfektes Leben zu bieten, liegt dennoch falsch. Denn auch das ist nur eine Facette von dem, was man den Tieren für ihr Glück bieten kann. Und sollte.

Betrachtet man die Bedürfnisse der Pferde als Pyramide, bildet ein wichtiger Punkt die Basis: Sicherheit. In der Natur leben Pferde über lange Zeit in festen Herdenverbänden. Wechsel innerhalb der Gruppe treten selten auf – außer junge Hengste verlassen die Famile, um einen Junggesellenverband zu gründen, ein Anwärter vertreibt den Althengst oder es werden neue Stuten hinzu geworben. Ansonsten wächst die Herde lediglich durch die Geburt der Fohlen, oder wird kleiner durch das Ableben eines Tieres. Domestizierte Pferde hingegen müssen sich den Launen und Vorstellungen „ihres“ Menschen unterwerfen und erleben so zum Teil sehr häufige Wechsel durch Umzüge oder Änderungen in der Gruppenzusammensetzung. Bei jeder Veränderung müssen die Tiere erst wieder ihren Platz in der Rangordnung finden – ein Prozess, der sechs Monate(!) und länger dauern kann. Wie soll ein Pferd da ein Gefühl von Sicherheit entwickeln? Und: Was bedeutet das für sein Befinden, wenn alle anderen Stufen der Pyramide hierauf aufbauen?

Essen und Trinken bilden die nächste Ebene: Etwa 16 Stunden fressen wild lebende Pferde, meist während sie sich langsam im Schritt fortbewegen. Dabei nehmen sie in erster Linie (Steppen)Gras auf, lieben es aber genau so Blätter, Rinde, Wurzeln, Samen und Früchte zu knabbern. Ein Speiseplan, der in den meisten Ställen weder von der Art, noch der Dauer der Mahlzeiten erfüllt wird. Ganz davon zu schweigen, dass die Aufnahme von Nahrung und Wasser in der Natur eine sehr soziale Angelegenheit ist und nahezu ausnahmslos in der Gruppe erfolgt.

Auch die Körperpflege wird oft damit abgetan, dass unsere Stallbewohner ja in der Regel täglich vor dem Reiten gestriegelt und gebürstet werden. Aber genau so wie wir beim Putzen Kontakt und Nähe zu unserem Pferd aufbauen, brauchen die Tiere diesen Austausch von Pflege- und Schmuseeinheiten auch untereinander und bilden (wenn man ihnen die Möglichkeit dazu bietet) oft enge Freundschaften mit einem oder mehreren Artgenossen, die ein Leben lang anhalten können. Auch Gelegenheiten zum Schubbern (Baumstämme, Bürsten, Noppen…) oder Wälzen (v.a. Sand) sind höchst Willkommen für eine ausgiebige Körperpflege, die ganz ohne die Hilfe des Menschen auskommt.

Ruhen und Schlafen sind Bedürfnisse, die zum Einen eng an das Gefühl von Sicherheit geknüpft sind, zum Anderen an die Umgebung: Als Fluchttiere brauchen Pferde stets eine gute Rundum-Sicht um, auch während sie dösen, Gefahren schnell bemerken zu können. Im Idealfall passt ein Herdenmitglied auf, während die anderen ruhen. Diese „Wächterfunktion“ kann in Einzelhaltung schlichtweg nicht erfüllt werden. Und selbst beim Koppelgang in der Gruppe bietet nicht jedes Gelände die Möglichkeit alles im Blick zu behalten. Zum Liegen und den damit verknüpften Tiefschlaf ist darüber hinaus der Untergrund entscheidend und eine ausreichende Fläche. Denn nur, wenn sie sich von Zeit zu Zeit auf einer weichen, verformbaren Unterlage komplett ausstrecken und seitlich ablegen können, kommen Pferde erst wirklich zur Ruhe.

Als Lauftiere haben unsere Vierbeiner außerdem einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Wenn sie könnten, würden sie täglich viele Kilometer in abwechslungsreichem Gelände zurücklegen, verschiedene Untergründe überqueren und sowohl altbekannten Pfaden folgen, als auch neue Gebiete erkunden. Auslauf auf einem befestigten Quadrat ist also alles andere als das, was ihrer Natur entspricht. Dennoch liegt ihnen ein gewisses Territorialverhalten im Blut, das selbst wild lebende Pferde an ein Arreal bindet. Hier finden sie alles, was sie brauchen – vor allem die nötige Sicherheit. Und es bietet ihnen Wahlmöglichkeiten für ein abwechslungsreiches Herdenleben. Das Entdecken der umgebenden Umwelt durch Erkundungsverhalten und Mut trainiert  Problemlösungsvermögen und Selbstbewusstsein.

Die Frage lautet also: Welche von diesen Dingen fördert ein Leben in der Box?

Was ich mit diesem langen Blog eigentlich sagen will: Allein wenn wir unsere Augen ein wenig für das öffnen, was wir täglich im Stall sehen, sollte uns klar sein, dass es für Pferdeglück mehr braucht als das, was immernoch als „artgerecht“ gilt. Und spätestens wenn wir uns mit dem aktuellen, wissenschaftlichen Kenntnisstand befassen, sollte uns das einen kräftigen Huftritt als Denkanstoß versetzen. Ich für meinen Teil hab schon jede Menge Abdrücke davon getragen und bin froh über jeden einzelnen davon. Verbessern kann man immer! Unser Projekt „Traumstall“ ist deshalb eine unendliche Geschichte. Ich werde hier noch jede Menge Kapitel daraus erzählen…

(Die Betrachtungen zur Bedürfnispyramide der Pferde basieren auf Erkenntnissen des „Natural Animal Centre“ (NAC), einem Zentrum für angewandte Wissenschaft im Hinblick auf das Verhalten von Tieren. Foto: Jenny Pohl)

 

 

 

 

 

Mythos Zugluft

Ich habe lange überlegt, mit welchem Thema ich meinen ersten Blog beginnen soll. Ich starte am besten tatsächlich mit dem Anfang: Als wir unseren Hof übernommen haben, wurde zuerst ein bestehender Stalltrakt zu fünf Paddockboxen umgebaut. Neben unseren eigenen Pferden wollten wir dort bereits die ersten Einsteller aufnehmen und bald schon kamen Interessenten zur Besichtigung. Ich weiß noch, wie stolz ich war auf die offene Gestaltung mit viel Luft und Licht, die Südausrichtung und die Möglichkeit für die Pferde auch nach den ausgiebigen Koppelgängen jederzeit selbst zu entscheiden, wann sie sich draußen aufhalten möchten.

An einen Offenstall war für uns zu derzeit noch nicht zu denken – unser Nasir war noch Hengst, es war Winter und vor dem Frühjahr konnten wir ihn nicht mit seinen Stuten gemeinsam halten. Denn dann hätte er sie zu früh gedeckt und die Fohlen würden in der kalten Jahreshälfte geboren werden. Daher waren die angrenzenden Boxen mit Sichtkontakt und „Sicherheitsabstand“ zu der Zeit optimal – über unsere Hengsthaltung werde ich in einem späteren Beitrag noch berichten.

Aber zunächst zurück zu unseren Paddockboxen: Da standen sie also – ohne Türen, Streifenvorhänge oder ähnliches. Genau so wie ich es mir gewünscht hatte. Bei den ersten Interessenten hielt sich  die Begeisterung jedoch in Grenzen. Die Boxengröße, das dicke „Strohnest“, die beheizten Tränken und die Paddocks an sich kamen gut an. Allerdings fanden sie den Stall insgesamt zu „zugig“. Ihre Pferde waren bisher in Innenboxen untergebracht und man müsse doch dafür sorgen, dass man bei schlechtem Wetter rundum Türen schließen kann. Mit rundum war die Stallgasse UND der Zugang zum Paddock gemeint. Einen Unterschied zwischen (erwünschter) Luftbewegung und Zugluft schien die Dame nicht zu kennen – denn genau darauf ist dieser Stalltrakt ausgelegt.

Im Grunde zählt die Luft zu den wichtigsten Faktoren für das Stallklima: Sie soll in Bewegung sein (über 0,2m/s), eine angemessene Feuchte (von 60 bis 80%) aufweisen, ihre Temperatur im Innenraum soll der Außentemperatur folgen, sie soll nach Möglichkeit keine Schadgase enthalten und staubfrei sein. Um dies zu erreichen, ist eine offene Raumgestaltung sehr förderlich. Dank ihr kann die Luft im Stall (zwischen Gasse und Boxen, aber auch den Boxen untereinander) zirkulieren und sich im Idealfall mit der Außenluft austauschen. Schadgase haben da in Verbindung mit einer guten Stallhygiene kaum eine Chance. Selbst Staub ist durch den hohen Gehalt an frischer Außenluft nur sehr gering konzentriert: Gerade mal 150 zu 700.000(!) Partikeln in schlechter Stallluft im Innenraum sprechen für sich. Und das ist vor allem für die sensiblen Atemorgane der Pferde spürbar. Die Angst vor Zug jedoch ist in diesem Fall völlig unbegründet – denn mit flächiger Luftbewegung hat das im Grunde nichts zu tun.

Wenn man noch etwas ins Detail geht, liegt nahe, dass eine offene Form der Paddockboxenhaltung (ebenso wie die Offenstall- oder Robusthaltung) sogar die gesunde, natürliche Thermoregulation beim Pferd anregt: Denn Temperaturschwankungen und jegliche Formen der Witterung, die auf Fell und Haut auftreffen, bringen den Organismus dazu, seinen Wärmehaushalt anzupassen. Wind und Wetter stellen somit (in der Regel) für die Tiere  keinerlei Probleme dar.

Die gefürchtete Zugluft hingegen, kann durchaus ein Risiko sein und beispielsweise Muskelverspannungen hervorrufen. Dabei handelt es sich um einen Luftstrom, der kälter und schneller ist als seine Umgebung und der nicht flächig, sondern nur auf einzelne Partien des Körpers auftrifft. Ursache kann beispielsweise eine kleine Öffnung, wie etwa ein Spalt oder ein kaputtes Fenster in einer Innenbox sein. Insbesondere wenn die Fläche sehr gering ist, auf der die Zugluft auftrifft, kann die Thermoregulation nicht aktiviert werden. Zum Glück ist dies eher unwahrscheinlich bei dieser Form von Stall…

Wenn ich mir nach gut einem Jahr unsere Pferde in der Gasse so ansehe, glaube ich, wir haben alles richtig gemacht mit diesem Konzept: offen, hell, freier Himmel und das tolle Gefühl zu wissen, dass die Tiere bei jedem Wetter selbst entscheiden, ob sie ihre Nüstern in die Sonne oder ihren Hintern in den Wind halten möchten.

(Quelle zu den Zahlen im Absatz zum Thema Stallluft: Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten; Foto: Eva Stockmann)

Zeit für einen Blog

Obwohl ich seit vielen Jahren eigene Pferde habe und auch immer der Meinung war, ich wisse, was (m)ein Pferd braucht, habe ich im vergangenen Jahr viel Neues gelernt, entdeckt, verworfen, konzipiert und umgesetzt. Ohne die Geduld meines Freundes, unseres Verpächters und seiner Familie wäre heute vieles am Hof nicht so, wie es ist. Aber ich hatte nun mal das Glück, gewissermaßen „freie Hand“ zu haben bei der (Um)Gestaltung unseres Traums…

Aber weshalb beginne ich nun diesen Blog? Weil ich seit einiger Zeit Mitglied in einer großartigen Facebook-Gruppe bin, in der man sich offen über Themen rund um die Pferdehaltung austauscht und statt auf Geheimniskrämerei auf das Teilen von Ideen setzt. Und da ich in den letzten Monaten mehr Wissen und Erfahrungen gesammelt habe, als all die Jahre als Einsteller, habe ich beschlossen dieses Know-how nicht mit den zahllosen Entwürfen, Skizzen, Downloads und Skripten in irgendeiner Schublade verstauben zu lassen, sondern es hier zu veröffentlichen.

So viel sei gesagt: Kein Stall der Welt ist perfekt – auch unserer nicht. Aber als Pferdeliebhaber sollte es doch unser Ziel sein, möglichst nahe an die „ideale Haltung“ heran zu kommen?! Und dazu braucht es nun mal (neue) praktische und wissenschaftliche Erkenntnisse und den Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Denn ohne diese, wären die modernen Bewegungsställe und das Konzept des Paddock Trail bis heute nichts, als Science Fiction…